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Die Entwicklung

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Die Lehrer und das Schulwesen in Beiertheim
Genauere Unterlagen über die Schulverhältnisse in Beiertheim liegen erst aus der Zeit vor, als die Gemeinde eine selbständige Schule hatte. Bis in die ersten Jahrzehnte des 19.Jahrhunderts hatten Beiertheim und Bulach eine gemeinsame Schule in Bulach.

Der früheste Schulmeister - so lautete damals die Berufsbezeichnung für den Lehrer - hieß Liborius Gerstner (1655). 1663 ist ein Lehrer Bilstein (oder Bildstein) nachweisbar. Johann Rastetter ist für 1673 als Lehrer verbürgt.
Die Kinder wurden nur kurze Zeit über die Wintermonate und in geringer Anzahl zu Schule geschickt. Gewünscht war jedoch, dass alle Kinder von Allerheiligen bis Georgii (24.April) zur Schule gehen, wie es in der Markgrafschaft üblich war.

Von 1708 bis 1713 versah Elias May den Schuldienst. Er ist vermutlich der Lehrer, der als "Gerichtsschreiber" die "Dorfgerechtigkeiten" vorlas und dafür 13 kr erhielt. Erst 1715 wurde Johann Grab als "Ludimagister" oder "Ludimoderator" erwähnt. Das war der klangvolle Titel für den Lehrer, der als Richter der Turmuhr "Director Horologii" hieß.

In Bulach und Beiertheim wirkte von 1741 bis 1779 nur ein Lehrer, den die Bulacher bezahlen mussten. Ihm stand der Zehnte aus 45 Morgen Äcker zu. Allerdings musste er selbst seine Güter zusammentragen. An Geld, Wein und anderem bezog er nichts.

Mit dem Schuldienst unzertrennlich verbunden war von jeher auch der Messner-, Organisten- und Glöcknerdienst. Die Eigenschaft des Messners brachte es mit sich, dass die Lehrer bzw. ihre Frauen die Kirchenwäsche reinigen, die Kelche "putzen", das heilige Öl und oft auch die Hostien auswärts holen mussten. Trotz dieser Arbeitshäufung, zu der vielfach auch noch das zeitintensive Amt eines Gerichts- oder Ratschreibers gehörte, ist kein einziger Lehrer ein reicher oder wohlhabender Mann geworden. Nur mit großem Idealismus konnte ein Lehrer diese umfangreiche Tätigkeit jahrzehntelang leisten.

Die zugänglichen Akten enthielten wenig Aussagen über die Wohnverhältnisse der Lehrer. Offenbar waren sie Jahrzehnte hindurch in Bürgerhäusern und nicht im Schulhaus untergebracht.

Die wenigsten Lehrer waren früher ausschließlich in ihrem Beruf tätig. Sie mussten noch ein Handwerk oder Landwirtschaft betreiben, um ihr spärliches Einkommen zu verbessern und um ihre kinderreiche Familie durchs Leben zu bringen. Möglicherweise waren deshalb viele Lehrer diesen Nebeneinnahmen zuliebe oft jahrzehntelang an einem Ort. Das Einkommen als Lehrer war im Verhältnis zu den vielen Leistungen, die er erbringen musste, bis gegen 1850 wirklich sehr gering und abhängig von zufälligen Einnahmen. Schrittweise wurden die Bezüge erst später angehoben. Dabei mussten die Lehrer, wenn sie einen "Präzeptor" (Unterlehrer) benötigten, auch noch für dessen Kost, Unterkunft und Bezahlung aufkommen.

Dass bei dem auf die Wintermonate beschränkten Unterricht und meistens nicht systematisch ausgebildeten Lehrkräften nicht gerade glänzenden Erfolge herauskamen, ist nicht verwunderlich. Ein Oberamtsbefehl von 1784 verlangte, dass "alle Schulmeytlin das Schreiben und Rechnen in der Schule erlernen sollen wie die Knaben". Diese Umstände machen erklärlich, dass uns bis ins 19.Jahrhundert hinein bei Amtshandlungen, in Kaufverträgen und Kirchenbucheinträgen statt eigenhändigen Unterschriften nur die drei berühmten Kreise und diese häufig noch mit zittriger und ungelenker Hand mit sprödem Federkiel begegnen. Als 1824 die Kammern der Landstände neu gewählt wurden, mussten die Wähler unterschreiben. Da jedoch der sonst tüchtige Löwenwirt und Georg Kunz diese Kunst nicht verstanden, vollzog der Gerichtsschreiber Malsch für sie diesen Auftrag (9.11.1824).

Weil das Ministerium des Innern - katholische Kirchensektion Karlsruhe - den Schuldienst anfangs 1828 in Beiertheim und Bulach zu trennen und selbständig zu machen
Beabsichtigte (siehe auch "Schulgebäude"), schrieb es am 31.10.1827 den Schul- und Mesnerdienst zu Beiertheim mit einem Einkommen von 200 fl aus. Schulverwalter Johann Scheuer in Grombach bei Sinsheim erhielt die Stelle.
Das Einkommen des hiesigen Schuldienstes umfasste 1827 den Zins aus dem zur Haltung des Unterlehrers für die hiesige Schule bestimmten Kapital von 50 fl, das Schulgeld von 70 Kindern zu je 1 fl, einer Allmende von der Gemeinde zu 5 ½ fl, den Mesnerdienst zu 15 fl, die Stolgebühren mit 15 fl, die Wohnung zu 30 fl, eine Wiese auf der Bulacher Gemarkung zu 4 fl. Zusammen 189 ½ fl. Dazu wollte das Kreisdirektorium der Gemeinde die Abgabe von 2 Klaftern Holz auftragen. Von der Übernahme der 50 fl aus dem Partikularschulfonds ist dem Ministerium nichts bekannt.


Zur Weiterbildung der schulentlassenen Jugend war schon 1767 die sogenannte Sonntagsschule eingerichtet worden. Ihr Besuch war jedoch unregelmäßig. Deshalb zwang ein Gesetz von 1874 die schulentlassenen Knaben und Mädchen, zwei bzw. ein Jahr die Fortbildungsschule zu besuchen, wenn sie nicht Schüler einer höheren Lehranstalt oder Handelsschule waren. Am 11.5.1827 erbat das Direktorium des Pfinz- und Murgkreises Vorlage, ob die bestehende Verordnung, wonach keine Sonntagsschüler ohne vorherige Prüfung aus der Sonntagsschule entlassen werden sollen, noch fortwährend befolgt wird. Die Unkosten für die Sonntagsschule, die Schulrequisiten und die Prämien müssen die örtlichen Schulfonds, bei deren Fehlen, die Gemeindekassen aufbringen.

Die Realschule bezweckte die bessere Ausbildung der weltlichen Unterrichtsgegenstände durch Fertigung schriftlicher Aufsätze, durch Lesen verschiedener "Handschriften" gemeinnütziger Volksunterrichtsbücher, durch Rechnen, Vorkenntnisse praktischer Geometrie usw. Das Ziel der Realschule war also nicht zu verhüten, dass das Lesen, Schreiben und Rechnen vergessen wird. Auch musste sie unbedingt abends oder zur Nachtzeit - daher Nachtschulen - stattfinden, falls sich, wie es an vielen Orten geschah, eine schickliche Tageszeit dafür ermitteln ließ.
Wenn der Lehrer zur Erteilung des Unterrichts in den Realgegenständen fähig ist, muss die Realschule zu Bulach wie anderwärts eingeführt werden. Hier fand die Sonntagsschule in der Regel von 7 bis 9 Uhr vormittags im Schulgebäude, nie in einem Wirtshaus oder in einer Kirche statt. Sie diente zur Erweiterung und Vertiefung der Kenntnisse im bürgerlichen Rechnen und in der Aufsatzlehre. Ihr Besuch war verpflichtend für alle, die der Volksschule entwachsen waren. Die Mädchen, die mit der 7.Klasse die Schule verließen, mussten drei, die Knaben zwei Jahre hinein. Nur die sogenannten Gewerbeschüler waren davon entbunden.

Die Einführung der Fortbildungsschule beschlossen Gemeinderäte und der Ortsschulrat erst am 20.4.1874. Dieser Unterricht war über das ganze Jahr in zwei Wochenstunden für Knaben und Mädchen gemeinschaftlich vorgesehen. Den örtlichen Verhältnissen entsprechend wurde er im Sommer auf Sonntagvormittag von 7 bis 9 Uhr und winters von 7.30 bis 9.30 Uhr angesetzt. Die Verlegung von Sonntag auf einen beliebigen Werktag sollte erst nach Erbauung eines neuen Schulhauses spruchreif werden. Das geschah erst 1899. Als Vergütung des Lehrers für den Fortbildungsunterricht bestimmte das neue Schulgesetz 46 fl 40 kr jährlich aus der Gemeindekasse.

Die hiesige Schule wird laut Gesetz vom 28.8.1835 in die 2.Klasse eingestuft, da Beiertheim ein Landort mit 595 Seelen ist. Mit Rücksicht auf die 90 Werktagsschüler schreibt das Gesetz einen Hauptlehrer vor, dem gesetzlich, außer er freien Wohnung und dem Schulgeld, ein jährliches Gehalt von 175 fl zuerkannt wird. An dieser Summe waren durch den reinen Ertrag der Schulpfründe 18 fl50 kr gedeckt, nämlich 2 Klafter Holz von der Gemeinde zu 5 fl des Steuerperäquationspreises 8 fl 20 kr und Almendnutzungen, mehrere Güterstücke im Gesamtanschlag on 10 ½ fl. Durch den reinen Ertrag des Glöckner-, Messner- und Organistendienstes aus der Gemeindekasse (1861) jährlich 13 fl aus dem Heiligenfond, hier 6 ½ fl, zusammen 38 fl 20 kr. Peter Leis bezog für das Läuten der Polizeiglocke von Georgii (23.4.) 1837 bis 1839 als Entgelt 12 fl.

Mit Wirkung vom 1.1.1859 wird das Schulgeld auf 1 fl 12 kr hinausgesetzt. 1858 rückte die Schule in die 1.Klasse auf, da die Volkszählung 832 Einwohner ergab. Hauptlehrer Keppler hatte in einer Eingabe geltend gemacht, dass seit einigen Jahren alle Lebensmittelpreise gestiegen und das Leben hier infolge der Nähe der Stadt Karlsruhe so teuer ist wie in der Residenz selbst, so dass durch Aufbesserung des Schulgeldes der Ausfall des Einkommens teilweise ersetzt werden würde. Der Gemeinderat schloss sich diesem Gesuch rückhaltlos an.

1859/1860 besuchten sechs Schüler aus Rüppurr die Schule in Beiertheim. Auf diese Art genossen sie einen geordneten Religionsunterricht. Die Behörde ist großzügig und will diese Übung nur abstellen, wenn dadurch eine Überfüllung der hiesigen Schule eintritt.

Um 1860 änderte sich die Stellung der Schule zur Kirche durchgreifend. Bis dahin führten Geistliche, wenn auch nicht als solche, sondern im Staatsauftrag, die Aufsicht über die Schulen, die Orts- und die Bezirksaufsicht. Ebenso die Oberaufsicht durch betreffende Oberkirchenbehörden. 1862 gingen die schulischen Befugnisse der letzteren auf den neu geschaffenen Oberschulrat, dem der Geistliche, der Bürgermeister, ein Lehrer und einige gewählten Mitglieder angehörten. Die Bezirksaufsicht wurde abgeschafft. An ihrer Stelle traten für das ganze Land 11 Kreisschulräte, die staatliche Beamte waren. Die Ernennung der Hauptlehrer erfolgte bis 1868 durch die Schulaufsichtsbehörden, die der Unterlehrer erst, seitdem für sie ebenfalls ein festes Einkommen ausgehandelt wurde. Diese waren ehedem lediglich die Gehilfen der Hauptlehrer, die sie nach Bedarf einstellten und entließen.

Wie streng und unerbittlich die Behörde auf einem regelmäßig abgeschlossenen Schulbesuch bestand, beweist der Erlass des Oberschulrates vom 18.4.1865, wonach keiner von den der Prüfung unentschuldigt ferngebliebenen 86 Elementar- und 39 Fortbildungsschüler in eine höhere Abteilung oder Klasse aufrücken bzw. aus der Schule entlassen werden dürfe, solange nicht vom großherzoglichen Oberschulrat eine weitere Prüfung anberaumt und abgehalten wurde.

Bei der Einteilung der Ferien wurde den berechtigten Wünschen der Eltern, die bei der Frucht- und Heuernte, beim Ausmachen der Kartoffeln und beim Einheimsen des Welschkorns der Hilfe ihrer schulpflichtigen Kinder dringend bedurften, weitgehend Rechnung getragen.

Um Klagen darüber, dass Schüler der Oberklassen für ihre Eltern die Fron im Hardtwald leisten und dazu vom Unterricht frei fragen, zu unterbinden, wurde das Aufsichtspersonal bei den Frondiensten angewiesen, Schüler davon auszuschließen und ihre Eltern auf die Strafliste zu setzen.

Die Einteilung der hiesigen Schule in zwei Abteilungen, von denen die untere die vier ersten, die obere die vier letzten Jahrgänge umfassten, wurde 1869 genehmigt. Der Winterkurs begann am 25.10. Nach Gesetz über den Elementarunterricht vom 8.3.1868 wurde die Beiertheimer Schule in die 2.Klasse erhoben. Das Gehalt des Hauptlehrers betrug 375 fl. Am Schulanfang 1870 meldeten sich 12 Knaben und Mädchen an. 1871 besuchten 130 Kinder die Schule. Fast unglaublich klingt die Versicherung, dass damals für den Erdkundeunterricht wohl eine Karte für Deutschland, aber keine für Europa vorhanden war.

Nach einer unerwartet vorgenommenen Prüfung der ganzen Schule am 23.4.1871 sprach Oberschulrat Armbruster seine volle Zufriedenheit über den Kenntnisstand der Schüler aus.

Nach bestehender Ordnung schloss der Winterkurs mit dem 23.4., an dem der Sommerkurs seinen Anfang nahm. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass die Erstkommunikanten, die das gesetzliche Alter von 14 Jahren bereits überschritten haben oder bis 1.November erreichen, aus der Schule entlassen werden.


Eine empfindliche Schulstrafe wurde 1873 ausgesprochen. Der Volksschüler Valentin Breitinger hatte im Beiertheim Wäldchen eine Sitzbank mutwillig beschädigt. Dafür musste er 12 Stunden "brummen" und davon täglich 2 Stunden absitzen.

Nach dem Gesetz vom 19.2.1874 rückte die Schule in der 3.Klasse auf. Deshalb musste künftig ein Hauptlehrer und ein Unterlehrer angestellt werden. Das Schulgeld für ein vollzahlendes Kind betrug 1 fl 52 kr oder 3,10 Mark. Beide Lehrer hatten Dienstwohnungen. Ab dem 1.1.1874 stellten sich die festen Gehälter für den Hauptlehrer auf 960 Mark, auf den Unterlehrer auf 680 Mark.

1875 erklärte sich Hauptlehrer Bundschuh bereit, die Feuerung wieder mit 50 fl zu übernehmen. Interessant ist der amtliche Beschluss von 1876, wonach den Fortbildungsschülern der Besuch der Wirtshäuser bei strenger Strafe untersagt wird. 1887 folgt der verschärfte Zusatz: "Der Besuch der Gasthäuser bei Tanzmusik ist den Schülern selbst in Begleitung ihrer Eltern bei Strafe verboten."

Am 27.9.1876 stellt der Ortsschulrat seine Tätigkeit ein und übergibt die ab 21.4.1865 beginnenden Schülerlisten, Schultabellen, Prüfungsbescheide usw. der Schulstelle.

Über das Turnfach berichten die Akten spät und spärlich. 1877 beschließt der Ortsschulrat, einen Turnplatz herzurichten und die erforderlichen Geräte anzuschaffen. Ab 1878 findet der Turnunterricht während der Wintermonate statt. Der Turnplatz maß (1881) 13 a 54 qm. Im Winter 1892 - Februar 1893 musste er infolge Fehlens geschützter Bäume ausfallen. Um diesen Notstand entgültig zu beseitigen, entschied man sich 1901 auf dem Platze der Schulscheuer und eines Teiles des Schulgartens eine Turnhalle zu erstellen. Hauptlehrer Büchner wurde für den Wegfall von Obstbäumen eine Entschädigung von 200 Mark zugebilligt. Die Turnhalle soll etwa 25 m lang und 15 m breit erbaut werden und bis zum nächsten Spätjahr bezugfertig sein. Die Hauptlehrer Büchner und Bechler erhielten eine gleichgroße Fläche aus dem vom Bernhard Braun angekauften Gelände als Hausgarten, wie sie abgegeben hatten.

Der Schulverband umschließt die politische Gemeinde Beiertheim, die 1895 1450 Einwohner aufweist. Die Schule wurde mit Einschluss der Kinder aus Rüppurr besucht: 1874/75 von 165 + 9, 1875/76 von 178 + 12, 1876/77 von 182 + 12.

Eine Neuheit brachte 1878 mit der Ausstellung von Schulzeugnissen in sog. Zeugnisbüchlein, ebenso mit der besonderen Aufzeichnung der jährlichen Schulferien.

Die Kohleheizung wurde 1877 frisch eingeführt. Die Sorge um die Verwendung der 12 Ster Holz, die der Gemeinde aus der dem großherzoglichen Hardtwald zustand, nahm Hauptlehrer Büchner ihr ab, indem er davon 10 Ster Kompetenzholz übernahm, während der Rest als Anmachholz dienen sollte.

Das Ferienverzeichnis sah für 1878/79 48 Tage vor, nämlich vom 23.4.-29.4. (5 Tage), vom 13.-21.6. (mit 3 schulfreien Tage insgesamt 5 Tage), am 2.7. wegen Bittgangs (1 Tag), vom 17.7. bis 1.8. (abzüglich 2 Sonntage 13 Tage), vom 15.9. bis 24.10. Im Sommer 1876 mussten die Karlsruher Schulen wegen einer ansteckenden Augenkrankheit bei den Kindern auf behördlicher Anordnung hin sechs Wochen ihre Pforten schließen.

Eine Schülerbücherei wird erst 1879 eingerichtet und dafür von der Gemeinde 40 Mark bewilligt. Später öfters 10 Mark. 1893 zählte der Bestand 140 Bände. Der durchschnittliche jährliche Aufwand bezifferte sich seither auf 20 Mark. Unter der Voraussetzung, dass der Kreis einen entsprechenden Zuschuss leistete und die Erwerbung der Bücher der Ortsschulbehörde blieb, war diese geneigt, die vorhandene Bücherei in eine Volksbücherei umzuwandeln.

Als eindeutiger Beweis für bessere Leistungen darf das Lob über den günstigen Eindruck gelten, den Kreisschulrat Trauntz in seinem Bescheid über die am 24.4.1879 abgehaltene Visitation hervorhob. Die äußere Ordnung und Reinlichkeit der Schulsäle wird besonders gerühmt, auch die Berufstreue und der Fleiß beider Lehrkräfte werden anerkannt.

Am 20.5.1883 entschied sich die örtliche Schulbehörde für die Anschaffung eines Harmoniums in das 2.Schulzimmer und wegen der Steinkohlenheizung für die Einrichtung von Patentrösten in beiden Schulhöfen.

Im Mai 1889 beantragten die beiden Lehrer beim Gemeinderat die Erstellung eines Brunnens im Schulhof. Die einmütige Zustimmung des Gemeinderats und des Bürgerausschusses zu dem Beschluss des Bezirksamts, die hiesige Schule auf Ostern 1889 von der 3. in die 4.Klasse zu erheben, lag wohl außer an der wachsenden Schülerzahl auch an der rückhaltlosen Anerkennung der unermüdlichen und schweren Arbeit der Lehrkräfte an der ihr anvertrauten Jugend zu Grunde.
Es scheint, als ob das früher erbetene Harmonium nicht angeschafft wurde, weil Hauptlehrer Rudolph im Frühjahr 1890 zur Unterstützung des Gesangsunterrichts für die obere Klasse erneut darum nachsucht. Der gleichzeitige Antrag, bis auf weiteres keine Rüppurrer Schüler mehr anzunehmen, wird mit dem Hinweis begründet, dass die 4.Klasse aus drei Jahrgängen besteht und ziemlich überfüllt ist, so dass kein Raum mehr zur Verfügung steht.

Gegen den Antrag des Bürgermeisters vom Oktober 1892, die bisherigen Schulgüter dem zunächst rangmäßig berechtigten Bürger als Allmendteil zuzuweisen, legt Hauptlehrer Rudolph Verwahrung ein, weil nach dem neuen Gesetz Liegenschaften der Gemeinde, deren Benutzung zur Zeit der Einführung des Gesetzes einen Teil des festen Gehalts eines Lehrers ausmachte, ohne Zustimmung der Oberschulbehörde nicht zu anderwärtiger Verwendung zurückgezogen werden dürfen. Diese Güter waren zudem noch verpachtet und es stand dem Lehrer nach Ablauf der Pachtzeit zu, die betreffenden Liegenschaften nach dreiprozentigem Anschlag in Pacht zu nehmen. Die Gemeindeväter waren anderer Meinung und wollten sich bei der staatlichen Behörde erkundigen. Deshalb blieb dieser Punkt unentschieden und wurde vertagt. Das Ergebnis fand sich nirgends.

1894 sollte zum ersten Mal der Unterricht am Fastnachtdienstag ganz ausfallen. Auch die Schülerimpfung wird erstmals erwähnt.

1896 bereitete die Klasseneinteilung besondere Schwierigkeiten, die sich aus den örtlichen Verhältnissen erklären. Viele Eltern verwendeten ihre Kinder zum Essentragen für die in Karlsruhe beschäftigten Arbeiter und zu landwirtschaftlichen Geschäften. Diese Kinder sollten daher vom Nachmittagunterricht verschont bleiben.

Im Wonnemonat 1896 wurde ein Schülerausflug angeregt, der auf den 26.Mai festgelegt wurde. Mit den ältesten Jahrgängen soll die schöne Stadt besucht werden. Am 9.Mai 1893 "sollen die Kinder unter Begleitung eines Gemeinderats spazieren gehen!"

Unter 210 Volksschülern 1880/81 wurden erstmals 6 evangelische Kinder erwähnt. 1894/95 waren es deren 20 und im Folgeschuljahr 21. Da bei dem Wachsen der Gemeinde ein Rückgang dieser Zahl nicht zu erwarten war, ersuchte der evangelische Kirchenrat zu Ostern 1897 den evangelischen Religionsunterricht beginnen zu lassen. Der evangelische Unterlehrer Otto Fritz an der Karlsruher Volksschule übernahm dieses Fach gegen eine jährliche Vergütung von 160 Mark aus der Gemeindekasse. Die evangelischen Schüler wurden zu einer Religionsklasse zusammengefasst und in drei Wochenstunden unterwiesen. Die Kinder gehörten zu 4/5 fremden, hier zugezogenen Arbeitern, die ihren Wohnort stets wechselten. 1898 waren es 22 evangelische Schüler. Vier Jahre später war ihre Zahl auf 56 hinaufgeschnellt, weil auch die evangelischen Schüler aus Bulach und Scheibenhard an diesem evangelischen Religionsunterricht teilnahmen. 1906 wurden 69 evangelische Schüler festgestellt. Der evangelische Unterlehrer versah auch das Amt des Organisten bei dem alle 14 Tage regelmäßig abgehaltenem Gottesdienst und leitete längere Zeit den Kirchenchor.

Schrittweise wurden auch Lehrmittel und Gebrauchsgegenstände für den täglichen Unterricht angeschafft, die der Lehrer zur Erleichterung und Anschauung unbedingt benötigten. Z.B. einen Schulzirkel, ein großer Winkelmesser, eine Karte vom Kreis Karlsruhe, der Geografieatlas von Geistbeck, eine Schneideplatte, Farben zu Zeichnungen, eine Rechenmaschine. Die Gemeinde bestritt die wachsenden Ausgaben immer gern aus ihrer Kasse, weil sie die Unentbehrlichkeit dieser Dinge zu einem vollwertigen Unterricht einsah.

Unter Schulprämien um 1850 sind kleine Geschenke in Form von Wecken (1849 zu je 2 kg) oder Brezel zu verstehen, die am Tag der Prüfung zur Anerkennung des Fleißes und zur Aufmunerung auf Kosten der Gemeinde an alle Schüler ausgeteilt wurden. Bäckermeister Gütle, der sie um 1860 über 10 Jahre hindurch lieferte, erhielt durchschnittlich 8 bis 10 fl dafür. 1899 ließ die Gemeindeverwaltung in der gleichen Absicht Milchwecke an die Volks- und Kinderschüler verabreichen.1905 wurden bei dieser Gelegenheit 390 Wecke gezählt. Bei der Nachfeier der Einweihung des neuen Schulhauses 1902 soll jedes Kind 2 Würste und Brot bekommen haben. Die Metzgermeister Braun und Weber lieferten damals je 300 Würste zu je 15 Pf. Dass die Schulkinder tatsächlich auch Bier erhielten, scheint auf einen Schreib- und Hörfehler zurückzugehen.

Früher war der Ausdruck "Repetent" in unserer Schule ein unbekannter Begriff. Doch häuften sich gegen die Jahrhundertwende die Schüler, die wegen ungenügender Leistungen das Klassenziel nicht erreichten. An Ostern 1900 blieben insgesamt 18 Kinder sitzen, wovon die Hälfte Mädchen waren. Dieses feste Zugreifen bewirkte nicht gerade Wunder, aber doch aufrüttelnd, denn 1901 blieben nur 11 Schüler "hängen" und zwar lediglich aus den vier unteren Klassen.

Es bedeutete 1901 fraglos eine unbändige Freude für die meisten Schüler, regelmäßig in der Badeanstalt baden zu dürfen. 1902 bekamen die Schüler insgesamt vorerst 500 Badekarten aus der Hand ihrer Lehrer. 1904 wurden dem Inhaber des Bades namens Knust für die Benutzung des Bades durch die Schuljugend 100 Mark aus der Gemeindekasse angeboten.

Die neue Schule scheint 1901 vollständig eingerichtet worden zu sein, wenn 50 zweisitzige Schulbänke, sämtliche Gerätschaften für die Volks-, Fortbildungs-, Koch- und Industrieschule Öfen, Schränke, Tafeln, Kartenständer usw. angeschafft und Pfarrer, Bürgermeister Braun, Hauptlehrer Büchner und Architekt Slevogt beauftragt wurden, diese Gegenstände nach ihrem Gutdünken zu erwerben. Ein flüchtiger Blick auf die um 1900 getätigten günstigen Güterverkäufe an die Stadt Karlsruhe, die zu ihrem natürlichen Wachstum unbedingt Gelände brauchte, ebenso an die Eisenbahnverwaltung, erklärt wohl die auffallende Lust zum Kaufen reichlich. Das neue Schulhaus soll nicht nur äußerlich einen gediegenen Eindruck vermitteln, sondern auch seine Innenausstattung allen neuzeitlichen Bedürfnissen und Wünschen entsprechen.

Die Aufstellung des Programms zur Einweihung des neuen Schulgebäudes beschäftigte die Ortsschulbehörde schon viele Monate vorher intensiv, ebenso die Frage, was für ein Geschenk die Schulkinder an diesem denkwürdigen Tag erhalten sollen. Und es darf als ein gutes Zeichen für den gesunden Heimatstolz und die eingewurzelte Liebe zur angestammten Schelle der Gemeindeväter gelten, wenn sie auf den glücklichen Gedanken kommen, den Schülern der oberen Klassen die von A.Stork verfasste "Geschichte von Beiertheim" als Andenken mitzugeben. Die Einweihung des neuen Schulhauses wurde auf 13.November 1901 festgelegt. Die Ausarbeitung des Festprogramms für die Feier und das anschließende "Bankett" besorgten Pfarrer Schanno, Bürgermeister Braun, Hauptlehrer Büchner, Architekt Slevogt und Gemeinderat Anton Fischer. Hauptlehrer Sickinger vertonte zu diesem Anlass ein Weihelied. Die Einweihung des Neubaus und das Bankett musste jedoch auf das Frühjahr auf den 7.4.1902 verschoben werden.

Für den praktischen Sinn und Weitblick der Einwohner und Lehrer spricht die Einrichtung einer Schulsparkasse um 1900. Hauptlehrer Büchner verwaltete die Schülereinlagen gegen Vergütung von 60 Mark im Jahr. Ab Ostern 1906 sollen die bisher monatlich eingelegten Gelder nur noch vierteljährlich einbezahlt werden. Zur Vertiefung des erdkundlichen und geschichtlichen Unterrichts durften die Schüler am 10.August 1903 au Gemeindekosten die Kolonialausstellung in Karlsruhe besuchen. Einen ähnlichen Zweck verfolgte die Schulfeier am 19.4.1905 anlässlich des 100 jährigen Gedenktags des Todes unseres berühmten Dichters Schiller, ebenso das Jubelfest des Großherzogs Friedrich I. am 18.September 1906. An diesem denkwürdigen Tag erhielten die Schüler jeweils eine 10 Pfennigbrezel, ebenso die Kleinkinderschüler.

So weitherzig die Gemeinde hin und wieder handelte, so lehnte sie doch das Gesuch einiger Bürger auf Anschaffung von Lehrmitteln aus der Gemeindekasse ab, weil sie kein Schulgeld erhob. Dagegen erklärte sie sich bereit, die Schulutensilien zu stellen, falls eine Familie nicht in der Lage war.
Als 1904 die Schülerzahl die gesetzliche Höhe von 300 überschritt, beantragte die Gemeinde, die von ihr bislang freiwillig übernommene Unterlehrerstelle staatlich zu errichten; denn nach vorläufigen Erhebungen war auf Beginn des Schuljahrs 1905 mit einer derartigen Schülerzunahme zu rechnen, dass die Gemeinde im Interesse eines erfolgreichen Unterrichts eine neue Unterlehrerstelle freiwillig bezahlte. Gleichzeitig bat sie um einen Unterlehrer mit Befähigung für Turnen, weil die Hauptlehrer aus Gesundheitsrücksichten dieses Fach abzugeben wünschten (9.11.1904).

Waren 1905 anlässlich des Schulausflugs jeden Kinde 50 Pfennig aus der Gemeindekasse eingehändigt worden, so bestritt die Gemeinde 1906 sämtliche Ausgaben, als die vier Oberklassen am 13.September nach Baden-Baden und seine Umgebung, die vier unteren Jahrgänge am 28.8. nach Ettlingen fuhren.

Das Gesetz vom 15.August 1906 vereinigte die Gemeinden Beiertheim, Rüppurr und Rintheim auf 1.Januar 1907 mit der Stadtgemeinde Karlsruhe. Am 1.1.1906 bestanden 2 Haupt- und 2 Unterlehrerstellen am 31.12.1906 dagegen 3 Haupt- und 1 Unterlehrerstelle. Unsere Gemeinde hatte für die beiden Hauptlehrer je 960, für die Unterlehrer 660, für eine Unterlehrerstelle 850 Mark beizutragen. Die Schülerzahl betrug 1906: 229, nämlich 159 katholische, 68 evangelische und 2 freireligiöse. Für jedes Schulkind wurden 2,80 Mark in Ansatz gebracht.
Die erledigte Hauptlehrerstelle erhielt unter 69 Bewerbern Hauptlehrer Jakob Doll in Bretten auf 16.10.1906. Er stammte aus Eschelbronn und hatte 19 Dienstjahre. Vom Tage der Eingemeindung an - 1.1.1907 - hatte die Stadtkasse Karlsruhe die Bezüge der hiesigen Lehrkräfte unmittelbar zu leisten, nämlich für die Hauptlehrer Büchner und Bechler je 2600 Mark, für Hauptlehrer Doll 2400 Mark, für die Unterlehrerin Emilie Wehrle (seit 1905 hier) 1000 Mark.
Nach dem Gesetz für den Volksschulunterricht des Landes vom 7.7.1910 dauert die Schulpflicht für Knaben und Mädchen acht Jahre. Der Unterricht erstreckt sich auf Religion, Lesen, Schreiben, deutsche Sprachen, Rechnen, Gesang Zeichnen, auf das Wichtigste in Geometrie, Erdkunde, Naturgeschichte und Geschichte. Dazu traten freiwillig für Knaben Leibesübungen, für Mädchen weibliche Handarbeiten.

Der Zeichenunterricht wurde erst ab Ostern 1898 an der Beiertheimer Schule eingeführt, und zwar vorläufig als freiwilliges Fach. Falls sich aus dem obersten Schuljahr nicht ganz 20 Teilnehmer meldeten, war es gestattet bis zur 5.Klasse herunter zu gehen. Der Unterricht sollte jeden Mittwoch in zwei aufeinander folgenden Stunden gegeben werden. Die dazu notwendigen Bedürfnisse und die Vergütung an den Lehrer übernahm die Gemeinde, während die Schüler ihr Material zu stellen haben. Die jährliche Vergütung betrug 100 Mark. Das Ganze soll zunächst nur ein Versuch sein und ist hauptsächlich für Schüler gedacht, die einen gewerblichen Beruf zu wählen beabsichtigen. Unterlehrer Klumpp, dem der Unterricht übertragen wurde, musste vom 1.-16.8.1898 einen Zeichenkurs an der Baugewerkeschule mitmachen. Nach seiner Versetzung übernahm Unterlehrer Braun dieses Fach mit je zwei Wochenstunden gegen 200 Mark Vergütung.

Nach Bezug des neuen Schulhauses an Ostern 1902 stand ein besonderer Saal für Zeichen und Handarbeiten mit überaus günstigem Licht und zweckmäßiger Einrichtung zur Verfügung. Damals nahmen 26 Knaben aus dem 6.-8. Schuljahr am Zeichnen teil; sie bildeten eine Klasse mit drei Abteilungen bei gleichzeitigem Unterricht. 1906 hob die Gemeinde ausdrücklich hervor, dass sie besonderes Gewicht auf das Zeichnen legt. Daher wünschte sie auch einen zur Einteilung dieses Fachs befähigten Hauptlehrer. Die Knaben durften von der 5.Klasse an diesen Unterricht besuchen; sie sind jedoch verbunden zur regelmäßigen Teilnehmer, wie ihren Eltern gegenüber betont wird.

Der schon 1901 aufgetauchte Plan, im weiblichen Fortbildungsunterricht auch das Kochen aufzunehmen, wurde im Hinblick auf die ungünstigen Raumverhältnisse bis zum Beginn des neuen Schuljahrs verschoben. Dieser hauswirtschaftliche Unterricht wurde für alle zum Besuch der Fortbildungsschule verpflichteten Mädchen eingeführt und erstreckte sich auf das ganze Jahr.




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