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Schulgebäude > Geschichte
Die Geschichte der Schulgebäude in Beiertheim
Die Schulhausfrage in Beiertheim wurde erst im 19.Jahrhundert gelöst. 1812 unterhielten Bulach und Beiertheim die Schule gemeinsam. Das bisherige Schulhaus in Bulach konnte die auf 173 angewachsene Schülerzahl beider Gemeinden jedoch nicht mehr fassen. Diese Tatsache wirkte so einleuchtend, dass für Beiertheim die Erstellung eines eigenen Schulgebäudes unaufschiebbar wurde. Im September 1811 plante man für einen Bau am Ortseingang. Auf Grund von Geldmangel beschloss die Gemeinde Schul- und Rathaus in EINEM Bau unterzubringen, womöglich in einem verkäuflichen Haus, da im Hinblick auf die bedrängte Lage - es ist die napoleonische Zeit - die Erbauung eines eigenen Schulhauses nicht finanzierbar war. Sobald die unabdingbare Notwendigkeit des Schulhauses und die der Gemeinde obliegende Baupflicht geklärt war, drängte die Staatsbehörde zum Bauen, da wirklich zwingende Gründe in der vermehrten Kinderzahl in beiden Orten und in der Unzulänglichkeit des bisherigen Schulhauses lagen. Da ein Anbau am alten Schulgebäude in Bulach abgelehnt wurde, erbot sich Adlerwirt Fischer in Beiertheim, sein geräumigstes Zimmer gegen 30 fl jährlichen Zins abzutreten. Schreinermeister Lutz war bereit, die Schulbänke im Taglohn anzufertigen. Das Pfarramt teilte im September 1819 mit, dass von den ehemaligen Weinkaufgeldern ein Kapital von 1000 fl, d.h. 500 fl bei der Gemeinde Bulach und 500 fl bei Beiertheim zu 5% jährlich angelegt sei, woraus der Hilfslehrer 25 fl als Jahrgehalt und der Lehrer 25 fl für Kost und Logis jährlich bekamen.
1820 ging der Adlerwirt noch über sein früheres Angebot hinaus, indem er der Gemeinde ein Schulzimmer und eine Stube für den Unterlehrer für zusammen 30 fl überließ. 1820 waren die neuen Schulbänke für Bulach bereits in der Schule aufgestellt, jene für Beiertheim wurden samt Rechentafeln und einem Tischlein bis Mitte Februar fertig.
Daher wurde schon 1816 mit dem Landamt Karlsruhe ein Bauplatz am anderen Ende des Ortes abgesteckt.
Als 1824 die Ortsvorstände von Bulach und Beiertheim vor das Bezirksamt Karlsruhe geladen wurden, weil man es für ungeeignet hielt, wenn das Schulhaus in Bulach gemeinschaftliches Eigentum beider Gemeinden bliebe, da doch Beiertheim eine von Bulach getrennte Schule errichtet worden sei und beide Gemeinden nur in Streit wegen der Unterhaltung verwickelt würden, wurde ihnen folgender Vorschlag unterbreitet: 1. Das bisher beiden Gemeinden gehörende Schulhaus in Bulach soll ferner nur alleiniges und ausschließliches Eigentum der Gemeinde Bulach sein. 2. Die Gemeinde Beiertheim soll künftig für ihr Schulhaus allein ohne Beihilfe der Gemeinde Bulach sorgen. 3. Die Gemeinde Bulach zahlt als alleinige Eigentümerin der Gemeinde Beiertheim als bisheriger Mitbesitzerin die Hälfte des gegenwärtigen wahren Wertes des Hauses vom Tage des zu Stande gekommenen Vertrages. 4. Da der richtige Wert des Schulhauses nicht durch eine öffentliche Versteigerung bestimmt werden kann, sollen jede Gemeinde ein Bauschätzer und das Amt Karlsruhe einen dritten ernennen, die nach vorangegangener Verpflichtung den Wert ermitteln sollen. Falls ihre Angaben verschieden ausfallen, soll die Summe zusammengerechnet und die Hauptsumme durch drei geteilt werden. 5. Weil der untere Teil des Schulhauses zugleich als "Feuerhaus" dient, die Feuergeräte aber gemeinschaftliches Eigentum beider Gemeinden sind, soll sich die Gemeinde Beiertheim verbindlich machen, der Gemeinde Bulach für die Aufbewahrung der Feuergeräte im Schulhause einen jährliche Mietzins zu entrichten. 6. Alle wechselseitigen Unterhaltungspflichten sollen künftig aufhören, wie sich von selbst versteht, dagegen verpflichtet sich die Gemeinde Bulach, solange die Feuergerätschaften gemeinschaftliches Eigentum beider Gemeinden sind, ihre Aufbewahrung im Feuerhaus gegen den ausgemachten Mietzins zu leisten. 7. Die Gemeinde Bulach übernimmt in Zukunft als alleinige Eigentümerin des Schulhauses alle Kosten, die gegenwärtigen Kauf- und Acciskosten aber beide Gemeinden gleichheitlich. Die Gemeindevertretung Beiertheim unterschreibt diese Abmachung.
Fast zwei Jahre dauern die Verhandlungen, bis die reiflich erwogenen Pläne greifbare Gestalt bekommen.
Im unteren Stockwerk des neuen Schulhauses sollte die Lehrerwohnung und die geräumige Schulstube, oben nur ein Gerichtssaal mit zwei Zimmern eingerichtet werden. Ein gewölbter Keller wurde deshalb gewünscht, weil angeblich im ganzen Dorf keiner besteht und ein solcher mit Vorteil an einem oder mehrerem Wirte vermietet werden könnte (20.4.1827).
Laut Gemeinderechnung von 1827 ist das Schul- und Räthaus zweistöckig, enthält einen gewölbten und einen Balkenkeller, dazu ein Waschhaus, Schweineställe und eine fünfbündige Scheuer.
Den Akten sind zwei Kostenberechnungen über die Erbauung eines neuen Schulhauses zu Beiertheim beigehaftet, nämlich für ein Gebäude, das 35 Schuh 6 Zoll lang, 34 Schuh 6 Zoll tief und samt Keller 31 Schuh hoch ist, für 2860 fl, sowie für ein Schulhaus, das 58 Schuh 6 Zoll lang, 37 tief und 39 hoch ist, für 4967 fl.
Am 28.4.1830 teilte der Vogt Braun der Bauinspektion mit, dass das Ministerium sowie das Kreisdirektorium den hiesigen Schulhausbau genehmigten.
1876 besaß die Gemeinde ein aus Stein erbautes zweistöckiges Schulgebäude mit zwei Lehrsälen, Lehrerwohnung - der Lehrer wohnte mit seiner Familie unentgeltlich darin - mit Waschhaus, Schweineställen, Scheuer, Rindviehstall mit zwei Kellern, von denen der gewölbte jeweils auf fünf Jahre verpachtet war.
Es war sicherlich kein Luxus, wenn durch ein neues Schul- und Rathaus einem veralteten Zustand abgeholfen werden sollte, befanden sich doch im bisherigen Gebäude außer den eigentlichen Schulsälen und Verwaltungsräumen noch die Lehrerwohnung, das Wachtzimmer, das Arrestlokal, das Magazin für die Löschgeräte und im Keller Lagerplätze für Bier und Wein.
1874 bedrückten Schulhaussorgen von neuem die Gemeindeväter. Es war vorgesehen: 1. den Schulsaal im jetzigen Feuerwehrschuppen nebst anstoßendem Zimmer herzustellen. 2. den jetzigen Rathaussaal zu einer Hauptlehrerwohnung und zu einem Unterlehrerzimmer zu erweitern und zu verwenden, 3. die Gemeindescheuer in eine Feuerhemise herzurichten, 4. das Gemeindehaus abzubrechen und an seiner Stelle ein Rathaus zu erbauen, 5. das abzureißende Gebäude auf das Gemeindegrundstück am Weg nach Mühlburg zu erstellen, 6. sämtliche drei Gemeindehäuser an der Straße nach Bulach zu veräußern und der Erlös zu den Kosten der vorerwähnten Herstellung zu nehmen.
Bereits wenige Wochen später ließ man die unter 3.-5. beabsichtigten Veränderungen fallen und bewilligte für die Erweiterung der Schule und zum Ankauf und Neubau des Rathauses 12000-15000 Mark (die ehemalige Post diente früher als Schulhaus, in dem damaligen Rat- und Schulhaus waren einst im I.Stock die Rathaus und im II.Stock Schulräume und Lehrerwohnung).
Die Gemeinderechnung von 1877 nennt als Reparaturkosten am Schulhause 1564 Mark; dazu kam 1878 noch nachträglich eine Rechnung mit 1629 Mark.
1880 beschloss der Gemeinderat, im Rathausgarten eine Kinderschule zu bauen. Auch für diesen Gedanken reiften die Entschlüsse rascher als die Tat, denn 1831 wurde die Kinderschule in das alte Schulhaus - rechte Seite - verlegt, um das Zimmer im Rathaus (Bürgersaal) zur Abhaltung der Schule frei zu bekommen.
Kurz vor 1900 war anlässlich einer Ortsbereisung wieder die Rede von einem Schulhausneubau. Im Oktober 1898 plante man zu diesem Zweck den Ankauf von Gelände an der verlängerten Hildastraße. Das Gebot von 5060 Mark für das Grundstück hinterm Dorf mit rund 9 a wurde aufrechterhalten und die Summe aus der Gemeindekasse ausbezahlt. 1899 zeigte der Gemeinderat Neigung, ein neues Schulhaus zu erbauen, hegte jedoch Bedenken, wenn noch weitere größere Kosten als bis jetzt zu verausgaben. Falls jedoch die beabsichtigte Versteigerung "eines Komplexes im Auacker" günstig ausfalle, solle 1900 mit dem Bau begonnen werden. Es sollen 4 Klassenzimmer eingerichtet werden, je zwei übereinander liegend, im 2.Stock ein Industrieschulsaal, unter diesem mit einem besonderen Eingang und Ausgang die Räume für die Haushaltungsschule. Am 29.Dezember 1899 wurde Architekt Deubert in Karlsruhe mit der Fertigung der Pläne für den Schulhausneubau beauftragt.
Als Muster schwebte dem Gemeinderat das Schulhaus in Eggenstein vor. Architekt Deubert hatte anfänglich auch die Bauleitung, im September 1900 wurde sie dem Arichtekt Slevogt übertragen. Am 23. Januar 1901 wurden die Arbeiten vergeben. An Mauermeister Hoffer, die Zimmerarbeit an Meister Braun, die Eisenlieferung an Meister Friedrich Zimmermann in Mühlburg und Köhler in Ettlingen je hälftig, die Schmiedearbeit an die Meister Hauf und Hoffmann, die steinernen Treppen im Keller und Stiegen an Meister Kirchenbauer. Dieser darf aber nur Pfinztaler Steine liefern. Die Steinhauerarbeiten bekam Meister Burrer in Maulbronn, mit Ausnahme der Steintreppen, die Blechnerarbeit Meister und Gemeinderat Braun, die Schlosserarbeit die Meister Christian Ulmer und Paul Pritsch in Bulach, die Glaserarbeit die Meister Ketterer in Karlsruhe, die Schreinerarbeit Meister Andreas Braun, die Anstreicharbeit Gemeinderat Albert Burz, die Gipserarbeit der Meister und Gemeinderat Bernhard Sebald Martin, die Tapezierarbeit übernahm Meister Diebold, die Malerei im neuen Schulhausgang - Landschaften in den Füllungen - Maler Himmel in Karlsruhe.
Der schöne Brauch, dass die Arbeitsleute am Schulhausneubau, wie immer üblich, Aufschlagsbier oder Bargeld erhalten, die Gesellen 2 M, die Lehrlinge 1 M, jeder Palier 10 M, wurde auch hier durchgeführt.
Laut Gemeinderatsbeschluss vom 14.3.1902 wird der gesamte Aufwand für den Neubau aus Grundstocksmitteln ohne jeglichen Rückersatz bezahlt. Schon Tage zuvor wurde entschieden, das Gewann Mitteldorf zur Gewinnung eines Schulhausplatzes an der verlängerten Hildastraße von 1474 qm zu je 6 M den Besitzern abzukaufen.
Der Gesamtaufwand für den Neubau betrug 89051 M, für den Umbau des alten Schulhauses 210 M, für das Armenhaus rund 300 M. Diese Beträge wurden ohne Rückersatz aus dem Grundstock entnommen (1904). Man nimt an, dass der neue Brunnen im Hof des neuen Schulhauses von Brunnenmacher Robert Philipp aus Bulach für rund 34 M erstellt wurde.
1928 trat die katholische Kirchengemeinde zum Erweiterungsbau am Schulhause 120 qm in der Marie-Alexandra-Straße an die Stadtgemeinde Karlsruhe ab. Als Entschädigung übereignete die Stadt im Tauschweg dem Kirchenfonds das westwärts vorgelagerte Gelände bis zur Straßenfront ohne Aufgeld; ebenso sollen noch 128 qm an der Breitestraße an die Stadt gegen Eintausch einer Fläche von 247 qm an der Michaelstraße abgegeben werden.
Ein neues Schulhaus war für den Stadtteil Beiertheim ein unabweisbares Bedürfnis, da sich seine Bevölkerung durch die rege Bautätigkeit der letzten Jahre und infolge der Bebauung des Weiherfelds und Dammerstocks, die zum Schulbezirk Beiertheim gehörten, bedeutend vermehrte.