Hauptmenü
Schulgebäude > Geschichte
Die Geschichte der Schule Beiertheim
Aus dem Bürgerausschuss-Sitzungsprotokoll vom 5.6.1948 von Dr.Kleinschmidt
Die Erweiterung des Schulhauses in Beiertheim
I. Stadtratsbeschluss vom 29.3.1928
1. Das Schulhaus im Stadtteil Beiertheim ist durch einen Anbau nach den Plänen des städtischen Hochbauamtes zu erweitern und ein Volksbad im Gebäude einzurichten.
2. Der erforderliche Aufwand von 412 000 RM nebst 42 000 RM für Fahrnisse und Einrichtungsgegenstände, insgesamt 454 000 RM, ist aus Anleihensmitteln zu bestreiten. Zur Verwendung dieser Anleihensmittel wird eine Frist bis 31.12.1930 bestimmt. Der Stadtrat wird ermächtigt, ein entsprechendes Anlehen aufzunehmen.
3. Der für Fahrnisse und Einrichtungsgegenstände erforderliche Betrag von 42 000 RM ist aus der Wirtschaft in drei Jahresraten 1929 bis 1931 zu tilgen.
4. Die im Jahre 1927 für den Umbau des Schulhauses in Grünwinkel verwendeten Anlehensmittel im Betrag von 45 000 RM sind ebenfalls aus Wirtschaftsmitteln des Jahres 1929 bis 1931 zu tilgen.
II. Der Bürgerausschuss wird um Zustimmung ersucht.
Begründung
I. Die hiesige Volksschule hatte vor dem Krieg in ständigem Wachstum 1914 die bis dahin höchste Zahl von 17523 Schülern erreicht, die in den Jahren 1915 und 1916 sogar auf über 17800 stieg. 1917 folgte ein Rückgang auf 17150; die Jahre 1918 bis 1920 mit 16633, 16694 und 16778 hielten sich ungefähr auf gleicher Höhe. Seit dem Schuljahr 1921 machten sich die Wirkungen des Krieges in einem ständigen Rückgang der Schülerzahlen bemerkbar, die folgende Entwicklung zeigte: 1921 16065
1922 15125
1923 13816
1924 12497
1925 11670
Seit 1926 steigt die Zahl langsam wieder an, und zwar folgendermaßen:
1926 12092
1927 12761
1928 13281
II. Die durch den Rückgang der Schülerzahl in den Jahren 1921 bis 1925 bedingte Verringerung des Raumbedarfs bei der Volksschule wurde zum Teil durch den Ausbau der Fortbildungsschule gemäß dem Gesetz vom 19.7.1918 wieder aufgehoben. Außerdem wiesen seit Kriegsende die Höheren Lehranstalten eine starke Zunahme an Schülern auf, und die Fachschulen (Gewerbeschule und Handelsschule) nahmen sowohl an Pflichtschülern wie insbesondere durch Einführung von Vollunterricht in Jahresklassen bedeutend zu. Die Stadt war in der Lage, diesem Raumbedarf der übrigen Schulen durch Zuweisung von Räumen aus dem Bestand der Volksschule zu entsprechen. Auf dieser Weise gelang es, über die Jahre der Inflation und die erste Zeit einer stabilisierten Währung, ohne wesentlichen Aufwand für neue Schulräume hinwegzukommen. Nur in der früheren Telegrafenkaserne wurden durch jährlich wiederkehrenden Aufwand von Wirtschaftsmitteln allmählich 10 Lehrsäle geschaffen; auch im Vorschlag für 1928 ist dort wieder die Umwandlung von Wohnraum in 2 Klassenzimmer und Zeichensaal vorgesehen.
Seitdem der allmähliche Zuwachs an der Volksschule erkennbar geworden ist, muss wieder an die rechtzeitige Beschaffung von Räumen gedacht werden. Im Jahre 1927 wurden durch Ausbau des oberen Stockwerks im Schulhaus Grünwinkel 4 neue Lehrsäle für diesen mit Schulraum schlecht versorgten Stadtteil gewonnen. Gleichzeitig erlitt die Volksschule aber einen weiteren Raumverlust durch Übergang des Gebäudes der früheren Viktoriaschule, Amlaienstr.35, an das Fürsorgeamt. Eine bedeutende Erweiterung des gesamten Vorrats an Räumen war zunächst durch den Neubau eines großen Gebäudes für die Handelsschule geplant, der es ermöglicht hätte, sämtliche von der Volksschule an andere Anstalten abgetretenen Zimmer zurückzugeben; bei dem für 1927 beabsichtigten Baubeginn hätte der Neubau im Jahre 1930 zur Verfügung gestanden. Die Entscheidung über dieses Projekt musste aber bekanntlich verschoben werden und befindet sich zurzeit in der Schwebe, weil als möglich in Frage kommt, dass die Stadt das jetzige Gebäude des Staatstechnikums ankauft. Die Erhaltung dieser staatlichen Anstalt in Karlsruhe macht es nötig, jedenfalls diese Möglichkeit nicht auszuschließen. Bevor ein Neubau des Staatstechnikums fertig wird und damit das jetzige Gebäude an die Stadt übergehen kann, dürfte aber, da ein Baubeginn von 1929 nicht in Frage kommt, mindestens das Jahr 1932 herankommen. Sollte der Ankauf des jetzigen Staatstechnikums jedoch ausscheiden, so wird die Stadt mit dem Bau einer neuen Handelsschule ebenfalls nicht vor 1929 beginnen können und bei dem Umfang dieses Bauprojekts auch wieder nicht vor 1932 neuer Raum zur Verfügung stehen.
In manchen Teilen der Stadt besteht schon jetzt eine Knappheit an Raum für die Volksschule und bei dem Wachstum der Schülerzahl kann das Jahr 1932 keinesfalls abgewartet werden, sondern die Maßnahmen zur Schaffung von Schulräumen müssen sich der geänderten Sachlage anpassen. Zunächst empfiehlt sich die baldige Schaffung von Räumen durch Ausbau einzelner Schulhäuser in geeigneten Gebieten, sodann ein Neubau im äußeren Westen der Stadt. Der ersteren Zwecke dient die hier beantragte Erweiterung des Schulhauses in Beiertheim sowie der Anbau an die Kant-Oberrealschule; dieser macht die bisher von der genannten Anstalt in der Tullaschule benutzten 5 Lehrsäle wieder für die Volksschule frei.
III. Die Schulabteilung Beiertheim ist mit 10 Klassen und 9 Lehrern die kleinste der Stadt. Das Schulhaus ist seit der Eingemeindung im Jahre 1907 unverändert geblieben, obwohl der Stadtteil durch Ausbau beträchtlich zugenommen hat. Für die 10 Klassen stehen 5 Klassenzimmer und 1 Handarbeitssaal (der ebenfalls als Klassenzimmer mitbenutzt wird) im eigentlichen Schulgebäude, sowie 2 Lehrsäle im danebenliegenden alten Rathaus zur Verfügung.
Dass in Beiertheim bisher kein Anbau erstellt wurde, erklärt sich aus der Nähe des im Jahre 1910 eingeweihten Doppelhauses der Südendschule. Dieses große Schulgebäude wurde im Beiertheimer Feld errichtet, weil man vor dem Krieg die rasche Bebauung dieses Gebietes erwartete. Der Krieg unterbrach die gesamte Entwicklung und die beiden Häuser der Südendschule mit zusammen 57 Räumen von Lehrsaalgröße konnten daher durch die Schüler ihres eigenen Bezirks nicht genügend gefüllt werden, so dass sie zu einem erheblichen Teil für die Fortbildungsschule, Sofienschule und Gewerbeschule dien(t)en.
Ferner wurden diejenigen Schüler und Klassen aus Beiertheim, welche nicht innerhalb des Vorortes untergebracht werden konnten, der nahegelegenen Südendschule überwiesen. Die damit für die betroffenen verbundene Unbequemlichkeit war zu bedauern, konnte aber die Aufwendung großen Kapitals für Bauzwecke nicht rechtfertigen, solange in der benachbarten Südendschule noch Platz zur Verfügung stand.
Diese Verhältnisse haben sich in den letzten Jahren nicht nur durch das Wachstum von Beiertheim, sondern vor allem durch den Ausbau der Weiherfeldsiedlung geändert. Der Vorort selbst entsandte im Schuljahr 1927/28 306 Schüler in die Volksschule, das Weiherfeld 214, zusammen also 520; im Schuljahr 1928/29 steigt diese Zahl auf 310+237=556. Bei dem fortdauernden Ausbau beider Gebiete wird die Schülerzahl in den nächsten Jahren noch zunehmen. Während nun aber die Kinder aus Beiertheim bei der Überweisung in die Südendschule keinen allzu weiten Schulweg zurückzulegen haben, wird die Entfernung für im Weiherfeld wohnhafte Schüler übermäßig groß. Das Beiertheimer Schulhaus liegt dem Weiherfeld nahe genug; bei der Klassenbildung nach Altersklassen lässt es sich aber nicht einrichten, dass nur Kinder aus Beiertheim in die Südendschule gewiesen werden. Eine Erweiterung des Schulhauses in Beiertheim ist daher sowohl zur Behebung dieses Missstandes, wie auch zur Aufnahme des weiteren Zuwachses an Kindern in den nächsten Jahren erforderlich. Sollte die Eingemeindung von Bulach zustandekommen, so lässt sie eine Schaffung weiterer Schulräume im Südwesten der Stadt erwünscht erscheinen. Bulach verfügt zwar über ein Schulhaus, das seinen jetzigen Bedürfnissen genügt, hat aber in den meisten Klassen noch die kürzere Unterrichtszeit der einfachen Schule. Der Übergang zur erweiterten Schulzeit wird auch dort Raumbedarf schaffen und dann ist die Möglichkeit eines gegenseitigen Augleichs zwischen den einander naheliegenden Gebieten Beiertheim, Weiherfeld und Bulach erwünscht. Zugleich werden dann in der Südendschule wieder einige Säle für die Volksschule frei, um den mit Rücksicht auf die Bebauung des zu ihr gehörigen Geländes zu erwartenden Zuwachs in den nächsten Jahren aufzunehmen.
Die Pläne des Hochbauamtes beruhen auf Anträgen des Stadtschulamtes und ergeben eine Erweiterung des Schulhauses Beiertheim zur Größe einer normalen städtischen Schulabteilung. Der Bedarf eines Schulkörpers an Nebenräumen, so an Lehrsälen für Handarbeitsunterricht der Mädchen, Handfertigungsunterricht für Knaben, Singen usw. macht es erwünscht und zweckmäßig, städtische Schulabteilungen nicht unter einen gewissen Umfang heruntergehen zu lassen, weil die Gesamtheit der Räume in einem größeren Schulkörper besser ausgenützt wird.
Der Einbau eines Volksbades im Schulhaus erfüllt einen seit Jahren geäußerten Wunsch der Bewohner des Stadtteils.
Die Einzelheiten des Projekts ergeben sich aus der nachfolgenden Baubeschreibung des Hochbauamtes, sowie aus der beigegebenen Skizze und in vollem Umfang aus Plänen, welche 8 Tage vor der Sitzung zur Einsicht der Bürgerausschussmitglieder im Nebenraum des Stadtratssitzungssaals ausgestellt sein werden.
IV. Im Jahre 1927 ist gemäß dem Beschlusse des Bürgerausschusses vom 8.7.1926 (Vorlage Nr.14) das obere Stockwerk des Schulhauses in Grünwinkel zu Lehrsälen umgebaut worden ……..Daher soll auch dieser Betrag von 45000 Reichsmark ebenso wie die Beiträge für Inventar des Schulhauses Beiertheim in 3 Jahresraten 1929 bis 1931 getilgt werden.
Baubeschreibung
Das alte Schulhaus in Beiertheim ist ein zweistöckiges Gebäude mit reicher Straßenfassade aus rotem Sandstein. Die Architektur entspricht nicht der heutigen Geschmacksrichtung und kann beim Erweiterungsbau schon der hohen Kosten wegen nicht durchgeführt werden. Bei der Entwurfsbearbeitung war daher vor allem der sich in der Architektur ergebende Gegensatz zu überwinden und die Verbindung des Alten mit dem Neuen entsprechend zu wählen. In Frage kam, entweder den dreistöckigen Neubau als Dominante vor die Bauflucht des alten Schulhauses zu rücken, oder ihn durch Anordnung eines zweistöckigen Verbindungstraktes architektonisch vom bestehenden Gebäude loszulösen und hinter die Bauflucht zu stellen.
Baukommission und Stadtrat haben sich für die letztere Annahme ausgesprochen. Im Übrigen waren für das Erweiterungsprojekt noch folgende Gesichtspunkte maßgebend:
1. vor dem Hauptportal der Turnhalle einen angemessenen Freiplatz zu belassen,
2. die alte, ungenügende Abortanlage im Hof zu beseitigen und durch eine neuzeitliche, auf die einzelnen Stockwerke verteilte zu ersetzen,
3. bei sparsamer Grundrissanlage die im Programm des Stadtschulamtes geforderten Räume unterzubringen,
4. die Verbindung zwischen den beiden Bauten aus schultechnischen Gründen übersichtlich zu gestalten.
Aufgrund dieses Programms ist der jetzige Plan entstanden. Der Zugang von außen liegt möglichst entfernt vom bisherigen Haupteingang an der Marie-Alexandra-Straße. Im Zusammenhang mit dem neuen Eingang wurden eine zweite Treppe und ein Ausgang nach dem Hof angeordnet. Vorplätze und Gänge dienen als Kleiderablage.
In den drei Stockwerken des Neubaus sind die nachstehenden Räume vorgesehen:
12 Klassenzimmer (vorhanden 5, künftig zusammen 17 Klassenzimmer,
1 Modellierraum,
1 Singsaal,
1 Zeichensaal,
1 Dienerzimmer,
1 Ahnsinksaal,
13 Knaben-, 16 Mädchen- und 4 Lehreraborte.
Das Kellergeschoss enthält:
1 Handfertigkeitssaal für Metallbearbeitung,
1 Handfertigkeitssaal für Holzbearbeitung,
1 Raum für Papp- und Buchbinderarbeiten,
2 Materialkeller.
Völlig getrennt vom Schulbetrieb wird im Kellergeschoss ein Volksbad mit Kassenraum, fünf Wannenzellen und zehn Brausen eingerichtet.
Die Räume im Kellergeschoss werden durch Lichtgräben und entsprechend große Fenster belichtet.
Die Stockhöhen sind im Keller mit 3,30 m i.L. und im Erdgeschoss mit 4,15 m i.L. an die Höhen des alten Gebäudes gebunden. Im ersten und zweiten Obergeschoss sind dieselben 3,85m i.L.
Das Dach wird im Hinblick auf eine gute Zusammenwirkung der Baugruppe mit Schiefer gedeckt. Die Fassaden erhalten einen gestockten Terranovaverputz. Sockel und Fensterumrahmungen werden entsprechend dem vorhandenen Bausteinmaterial am bestehenden Bau aus rotem Sandstein ausgeführt. Die Zwischendecken sind massiv und schallsicher in Eisenbeton angenommen; ebenso die Treppe mit Vorsatz, der steinmetzmäßig bearbeitet wird. Als Bodenbelag werden teils eichene Riemen, teils Linoleum und Plättchen verwendet. In den Klassenzimmern erhalten die Wände auf 1,00m, in den Gängen auf 1,20m Höhe Wandlinoleum oder eine andere schützende Verkleidung, darüber einen Schwarzkalkmörtelverputz mit Leimfarbenanstrich. Für die Erwärmung der Räume kommt Gasheizung zur Ausführung, als Beleuchtung elektrisches Licht.
Die Kosten sind wie folgt errechnet:
Schulhauserweiterung 400 000 RM
Volksbad 12 000 RM
Inventar 42 000 RM
___________
Zusammen 454 000 RM